Schwester Jordana wird mit vier Kindern vor dem See gezeigt.

Es ist gut, dass du Geschwister hast – Kinderdorfmutter Schwester Jordana erzählt

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Schwester Jordana ist eine von insgesamt zwei Dominikanerinnen von Bethanien, die heute als Kinderdorfmutter in den Bethanien Kinderdörfern lebt. Lange Zeit war sie Erziehungsleiterin im Kinderdorf und hat auch darüber entschieden, ob Geschwisterkinder gemeinsam in einer Kinderdorffamilie oder Gruppe untergebracht werden, oder auch eine räumliche Trennung manchmal der Entwicklung der Kinder besser tut.
Im Beitrag erzählt sie von ihren Erfahrungen, die sie als Kinderdorfmutter mit Geschwisterkindern in Kinderdorffamilien gemacht hat.  

„Liebe Mama, wie geht es Maja und Steffen? Timo und mir geht es
gut. Wann kommst du uns besuchen? Papa war letzte Woche da.
Danke für dein Paket. Wann kommst du mal wieder zu uns?“

Der Brief eines Siebenjährigen an seine Mutter macht das komplexe Geschwister und Familiengefüge deutlich, mit dem die Kinderdorfkinder oft leben. Da gibt es vielleicht ein Geschwisterkind, welches in derselben Kinderdorffamilie lebt, vielleicht noch eines in einer anderen Gruppe, in einem anderen Heim, bei einer Pflegefamilie oder eben Zuhause bei einem oder beiden Elternteilen.Hört sich schon kompliziert an, wenn man es aufschreibt oder liest. Wie muss es sich erst für das Kind anfühlen?

„Geschwister möchten wissen, wie es einander geht“ – Schwester Jordana

Den beiden Brüdern, die ab dem Zeitpunkt bei mir wohnen sollten, war es in der Zeit nach der Aufnahme ein Bedürfnis, jeden Tag mehrmals mit dem Bruder zu telefonieren, der in einer anderen Kinderdorffamilie untergebracht war. Es gab ein „Guten Morgen“ und ein „Gute Nacht“ am Telefon.
Sie mussten sich vergewissern, dass der andere noch da sei und ob es ihm gut ginge. Inzwischen ist dies über vier Jahre her und die beiden wissen, dass der Bruder immer noch ein paar Häuser weiter wohnt und gut versorgt ist. Durch die bewusste Trennung haben die Geschwister nun die Chance, sich unabhängig voneinander zu entwickeln und frei zu werden von alten Mustern, die immer wieder durchschlagen, wenn sie zusammenkommen, bei Besuchen, Geburtstagen und zufälligen Begegnungen im Kinderdorf.

„Du bist in Ordnung, so, wie du bist.“

Mit den anderen Geschwistern, die Zuhause leben, ist der Kontakt komplizierter. Die Begegnungen sind abhängig von Eltern, die mal präsent sind, mal nicht.
Noch sind die beiden Jungs zu klein, um die Frage laut zu stellen, warum die einen Kinder bei den Eltern, sie aber hier wohnen. Ihr Verhalten bestätigt mir, dass es ein Thema für sie ist und sie sich vielleicht manchmal als Kinder zweiter Klasse fühlen. Die, mit denen was los ist, weil sie nicht bei der leiblichen Familie leben dürfen. Diesen Schmerz kann ich ihnen nicht nehmen, ich muss ihn mit ihnen aushalten. Und kann nur immer wieder zeigen und ab und zu auch sagen: „Du bist in Ordnung, so, wie du bist. Ich kann deinen Schmerz verstehen, kein Wunder, dass du so durcheinander bist“. Jedes Geschwister wird seinen eigenen Weg finden, mit diesen Fragen, mit diesen Gefühlen und Bedürfnissen umzugehen; Nähe und Distanz selber regeln,wenn wir es dabei unterstützen und bestätigen, dass diese Beziehung exklusiv ist und bleiben wird.

Wie die Brüder in Zukunft miteinander umgehen werden, wie sie ihre Beziehung leben, wird davon abhängen, wie selbstverständlich wir ihnen erlauben, Geschwister zu sein und sich trotzdem autonom entwickeln zu dürfen, welche Vorbilder wir ihnen geben, welche Hilfestellungen.

Geschwister bleiben sich nahe – auch über die Kinderdorffamilie oder das Kinderdorf hinaus

Das bethanische Ideal, welches ich von meinen Mitschwestern verinnerlicht habe, „Geschwister bleiben zusammen“, darf sich entwickeln zu: „Geschwister bleiben sich nahe“.Ich denke,so können wir dem Gefühlschaos der verschieden untergebrachten Geschwister gut begegnen und ihnen helfen, ihr Geschwistersein zu fühlen und zu leben.

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