Ehemalige Heimkinder

Qualitätskontrolle in der Jugendhilfe: Katamneseprojekt

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Qualitätskontrolle in der Jugendhilfe: Katamneseprojekt des Bethanien Kinderdorfes

Das Katamneseprojekt des Bethanien Kinderdorfes befragt ehemalige Kinderdorfkinder und Mitarbeiter aus Jugendamt, Betreuer und Vormünder nach Abschluss der Zusammenarbeit nach ihren Erfahrungen. Unter der Initiative von Dr. Klaus Esser versucht das Kinderdorf so eine Qualitätskontrolle für die Jugendhilfe zu schaffen.

Im Schnitt verbringen die Kinder und Jugendlichen, die bei uns in den Kinderdörfern leben , sechs Jahre bei uns. In dieser Zeit ist es unsere Aufgabe, durch Zuneigung und einen hohen Grad an Professionalität ein stabiles Zuhause zu schaffen und den Kindern und Jugendlichen so die bestmögliche Chance in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Wir arbeiten dabei auch mit der Erfahrung und den Rezensionen unserer Ehemaligen: Das Katamneseprojektes des Bethanien Kinderdorfes soll eine Grundlage für die Weiterentwicklung unserer Arbeit schaffen. Es untersucht die Erfahrungen von ausscheidenden Kindern ab 12 Jahre in den Bethanien Kinder- und Jugenddörfern.

Was ist das Katamnesprojekt im Kinderdorf?

Alle aus der stationären Erziehungshilfe ausscheidenden Kinder (ab 12 Jahren) und Jugendlichen der drei Bethanien Kinder- und Jugenddörfer werden zum Zeitpunkt ihrer Entlassung aus der stationären Hilfe mit einem Fragebogen nach ihren Erfahrungen und Bewertungen gefragt. Diese Befragung wird nach einem Zeitraum von vier Jahren wiederholt. Ebenfalls befragt werden zum Zeitpunkt der Entlassung die fallzuständigen Jugendamtsmitarbeiter und die Bezugsbetreuer aus der jeweiligen stationären Gruppe.
Es gibt also insgesamt drei unterschiedliche Fragebögen, die im Laufe der Jahre für eine hoffentlich breitgefächerte Auswertungsbasis sorgt.

Vor der Katamnese: Vorausgegangenen Grundlagen des Projektes im Kinderdorf

Die Bethanien Kinderdörfer in Schwalmtal, Bergisch Gladbach und Eltville haben mit der katamnestischen Befragung Neuland betreten. Das IKJ in Mainz ist dabei Projektpartner.
Durch das IKJ wurde das Verfahren im Hinblick auf Forschungsdesign, -methodik und -instrumente beraten und begleitet. Dabei sichert das IKJ auch die Auswertung der erhobenen Daten. Die Datenerhebung wurde übrigens zum 1. August 2013 begonnen.

Welches Ziel verfolgt die Katamnese in der stationären Jugendhilfe?

Die Bewertung der Erfahrungen aus der Kinderdorfzeit aus Sicht der Betroffenen verstehen die Kinderdörfer als Qualitätserfassungsinstrument, die Nutzung der Rückmeldungen für die Verbesserung der Kinderdorfarbeit wird als Qualitätsentwicklungsimpuls verstanden. Die einrichtungsbezogenen Wirkfaktoren, die für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit im Sinne einer positiven Entwicklung der Betreuten von Bedeutung sind, sollen aus der Perspektive der Betreuten deutlich werden. Mit dem Befragungsprojekt wird das Prinzip der Partizipation auch zum Abschluss der Hilfe realisiert.

Erfahrungen im Kinderdorf: Erste Ergebnisse der Befragung

Von den bisher vorliegenden Fragebögen der entlassenen Kinder und Jugendlichen waren 35 % in Kinderdorffamilien und 62 % in Wohngruppen untergebracht. Auf die Frage, ob die Jugendlichen den Weggang aus dem Kinderdorf akzeptieren, sagen 36 % ja, 53 % teils/teils und 11 % sind nicht einverstanden.
Damit wird deutlich, dass die Beendigung der stationären Jugendhilfe nicht für alle Betroffenen Zeichen einer guten Entwicklung und Entscheidungsfindung ist. Das wird verständlich, wenn man sich die Gründe für das Hilfeende ansieht: das Erreichen der Volljährigkeit ist für knapp ein Drittel aller Weggänge verantwortlich, der Rückkehr in die Familie für gut 21 %. Immerhin mehr als 40 % wechseln in eine andere Einrichtung, was oft mit einer schwierigen Verhaltensentwicklung und/oder mit einem anderen oder höheren Betreuungsaufwand einhergeht.

Kontakt auf Ehemaligen zu Kinderdorfmüttern oder Mitarbeitern im Kinderdorf

Bei den Bewertungen fällt auf, dass 95 % angeben, eine wichtige Bezugsperson im Kinderdorf gefunden zu haben. Die pädagogischen Angebote, die bei den Ehemaligen ganz besonders hoch im Kurs standen, waren neben Freunde und Gemeinschaft, Pferden und dem allgemeinen Freizeitangebot insbesondere Sport und das Musikangebot.

Dr. Klaus Esser, ehemaliger Kinderdorfleiter und zukünftiger Geschäftsführer der Bethanien Kinderdörfer, hat das Katamneseporjekt initiiert. Das Katamneseprojekt versucht einen Einstieg in die Qualitätskontrolle für die Jugendhilfe zu schaffen. 

Weitere Bewertungsergebnisse folgen in diesem Jahr

Das Ergebnis der Gesamtbewertung fällt zwar gut aus, dennoch müssen wir noch die kleine Gruppe stärker identifizieren, die mit vielen schlechten Erinnerungen das Kinderdorf verlässt.

Ein Ergebnis der Nachbefragung der ehemals Betreuten nach dem festgelegten

Zeitraum von vier Jahren nach Abschluss der stationären Hilfe liegt erst zum Ende des Jahres 2017 vor. Die spannende Frage, welche Differenzen bei den Rückmeldungen vier Jahre nach Verlassen der Jugendhilfe zu erkennen sind, kann nun langsam beantwortet werden.

Die ersten Ergebnisse machen neugierig und geben Grund zur Hoffnung, dass auch dieser Schritt des Projektes gelingt.

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