Wie ist es als Kinderdorfeltern im Kinderdorf

Als Kinderdorfeltern im Kinderdorf

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Als Kinderdorfeltern im Kinderdorf

Nicole und Thomas Kommer

Als Kinderdorfeltern leben Nicole Kommer und ihr Mann Thomas im Bethanien Kinderdorf. Nicole erzählt über Entscheidungswege, Schwierigkeiten und auch die vielen schönen Momente als Kinderdorfeltern.

In meinem Probejahr als Kinderdorfmutter lernte ich Thomas, meinen heutigen
Mann, kennen. Schnell war mir klar, dass ich mit ihm eine Familie gründen möchte, aber gleichzeitig verfestigte sich auch der Gedanke, die Kinderdorffamilie trotzdem gründen zu wollen. Mit dieser Entscheidung kamen gleichzeitig unheimlich viele Fragen auf:
Würde eine Beziehung auch mit eigenen Kindern gemeinsam mit der Kinderdorffamilie
zusammenpassen? Kann Thomas in seinem Beruf arbeiten und welche Rolle könnte er als Nichtpädagoge aber gleichzeitig auch Bezugsperson einnehmen? Wie können wir unsere Partnerschaft leben, wenn wir im eigenen Haus auf einmal mit Mitarbeitern zusammenarbeiten?

verschiedene Lebensmodelle als Kinderdorfmutter

Wir schauten uns verschiedene Lebensmodelle anderer Organisationen an und entschieden für uns: eine eigene Wohnung neben dem eigentlichen Kinderdorfhaus möchten wir nicht. Wenn wir einmal eigene Kinder haben, sollen sie gemeinsam mit den anderen Kindern aufwachsen.
Für Thomas war klar, dass er weiterhin seinem Beruf als Bankkaufmann nachgehen will. Er begann, Bewerbungen in der Nähe von Schwalmtal zu schreiben.

„Die Vorstellung, etwas Sinnvolles bewirken zu können, begeisterte uns“

Gleichzeitig wuchs das Gefühl, dass wir mit dieser außergewöhnlichen Art zu leben, etwas Sinnvolles bewirken können und die Vorstellung, Kinderdorffamilie zu sein, begeisterte uns. Gemeinsam durchliefen wir das einjährige Vorbereitungsjahr und schließlich – einen Monat nach unserer Hochzeit – begann unser Leben als Kinderdorffamilie mit fünf Kindern.



Kinderdorfmutter mit eigenen Kindern

Bereut haben wir diese Entscheidung nie. Aber es gab schon einige Krisen. Personelle Fragen wurden neu bedacht und umstrukturiert. Wir haben zwischenzeitlich zwei leibliche Kinder bekommen, die mit in der Großfamilie im Kinderdorf aufgewachsen sind. Auch damit kamen emotional ganz neue Erkenntnisse auf uns zu und Grenzen der Bindung zu den „Pflegekindern“ wurden deutlich. Es gab immer den kritischen Blick darauf, was muten wir unseren Kindern zu, aber auch, was geben wir ihnen durch unsere Lebensform für Erfahrungen mit auf den Weg.

Als Kinderdorffamilie Krisen gemeinsam bewältigen

Natürlich gab es auch Abbrüche, Enttäuschungen und noch heute verlieren wir viel Kraft, wenn es schwierige Gerichtsurteile gibt oder behördliche Vorgehensweisen, die wir nicht nachvollziehen können. Auch ist es schwer, wenn Jugendliche so gefangen in ihrer Herkunftsgeschichte sind, dass sie in der Pubertät Wege gehen, die wir uns
so für sie nicht gewünscht haben.
Hier mussten wir lernen, loszulassen, anders sein zu akzeptieren und die Entscheidungen der Kinder auch durch ihr Verhalten am Ende zu respektieren.

Freiräume schaffen – auch als Kinderdorfmutter

Wir blicken inzwischen auf über 20 Jahre Kinderdorffamilie zurück und leben
immer noch mitten drin. Kinderdorfmutter zu sein, ist kein Beruf und selbst Berufung macht nicht ganz klar, worum es geht.
Ich bin Kinderdorfmutter und mein Mann und ich sind Kinderdorfeltern. Ich bringe meine ganze Persönlichkeit mit ein. Mit allem, was mich ausmacht. Für mich gibt es kein privat oder dienstlich. Es ist nie ganz klar, wann ist Freizeit oder wann arbeite ich. Wichtig ist mir dabei, dass meine Identität nicht nur die „Kinderdorfmutter“ ist, sondern ich meine Identität mit einbringe als Kinderdorfmutter. Das erreiche ich dadurch, dass ich Zeiten für mich habe, Zeiten für meine Partnerschaft und Extrazeiten mit meinen leiblichen Kindern. Ich pflege auch Kontakte zur Nachbarschaft und zu meiner Familie und zu Freunden. Eigene Hobbys und Freiräume für meine Persönlichkeitsentfaltung sind mir heilig.

„Meine besondere Familie ist ein inneres Glücksgefühl“

Wenn der Alltag, die Krisen und die Schnelllebigkeit mir nicht gerade über
den Kopf wachsen, schaue ich oft auf meine kleine und meine große Familie und empfinde ein erfülltes inneres Glücksgefühl und eine tiefe Zufriedenheit.
Zum Glück hat mich Gott auf diesen Weg als Kinderdorffamilie geführt, denn ich spüre, es ist mein Weg. Es prägt mich mit meiner ganzen Person und andersherum betrachtet, fülle ich die Aufgabe mit meiner ganzen Persönlichkeit aus.

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