Das Kinderdorf und Ordensgemeinschaften

Schwester Ingeburg erzählt

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Aus dem Leben einer Kinderdorfmutter

Der Beton der Gebäude war noch strahlend hell, das Außengelände noch kahl, als Schwester Ingeburg im Sommer 1968 von Schwalmtal ins Bethanien Kinder- und Jugenddorf nach Refrath versetzt wurde. „Ich übernahm Haus 10, dort waren zwölf Kinder zu versorgen. So wurde ich über Nacht Mutter von einem Dutzend KInder“, erinnert sich die heute 78-Jährige an ihre Ankunft in Bergisch Gladbach. 35 Jahre lang war sie Kinderdorfmutter in Haus 10. Sie hat im Laufe der Jahre mit rund 70 Kindern und Jugendlichen zusammen gelebt und mit fast allen bis heute noch Kontakt.


Verlässliche Beziehungen als Kinderdorffamilie

Verlässliche Beziehungen aufzubauen, ist eine der Prämissen in der Arbeit im Kinderdorf. So sollen Kinder, die in ihren Herkunftsfamilien nicht bleiben können oder sollen, wieder Vertrauen fassen. Wenn Schwester Ingeburg ihre Fotoalben hervorholt und zu jedem Bild eine Geschichte erzählt, dann weiß man, was damit gemeint ist. Sie kann zu jedem „ihrer“ Kinder etwas berichten. Etwa von den Zwillingen, die als Kleinstkinder in ihre Obhut kamen. Oder von den Kindern, die mit einer Stoffwechselstörung zur Welt gekommen waren und eine strenge Diät einhalten mussten, um gesund zu bleiben. „Ich musste deren Mahlzeiten mit der Briefwaage abwiegen und berechnen“, erinnert sie sich.
Auch Kinder, die nach einem Elternbesuch nicht mehr zurückkehrten oder die sich nach dem Auszug nicht mehr meldeten, gab es. „Da mache ich mir schon Gedanken, was aus ihnen geworden ist“, gibt Schwester Ingeburg zu. In der Mehrzahl blieben die Beziehungen aber bestehen.

Nach dem Kinderdorf: Die Kinderdorfmutter bleibt

Etliche ihrer Kinder sind selbst Eltern, kommen gerne mit ihren Familien nach Refrath zurück. Einige haben in der Kirche im Kinderdorf geheiratet oder ihre Kinder taufen lassen. Inzwischen ist sie mehrfache Oma und Uroma. „Diese Feiern sind jedes Mal schön“, erklärt Schwester Ingeburg und zeigt Gruppenbilder, die fast den Rahmen sprengen. Sie kennt von jedem darauf den Namen und wo er oder sie heute im Leben steht. Auch weil ihre Kinder sie um Rat bitten, wenn etwas schief gelaufen ist.
„Meine Familie hat mich immer unterstützt“, freut sich Schwester Ingeburg, dass ihre Schwestern aber auch Vater und Mutter ihre Entscheidung, Dominikanerin von Bethanien zu werden, mitgetragen haben. Wenn sie ihre Familie im Emsland besucht hat, kamen die Kinderdorfkinder aus Haus 10 mit. „Zu meinem 60. Geburtstag haben mich meine Ältesten ziemlich hinters Licht geführt. Sie haben mir erzählt, sie hätten Karten für einen Event in Köln für mich, jemand käme, um mich abzuholen. Letztlich hatten sie hinter meinem Rücken organisiert, dass meine Familie aus dem Emsland und viele Ehemalige mich überraschten.Das war toll“, erinnert sie sich mit strahlenden Augen.

Daniel Fobbe-Klemm, Kommunikation im Bethanien Kinderdorf Bergisch Gladbach

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