Jugendliche in der Jugendhilfe

Hoffen wider alle Hoffnung: Erfahrung als Kinderdorfmutter

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Erfahrungen als Kinderdorfmutter

Eine Kinderdorffamilie ist ein Zuhause für alle, die dort wohnen, sie soll ein „sicherer Ort“ sein. Dort gehört es dazu, dass alle, die dort leben ganz sie selbst sein können und dürfen. Alle, das heißt die Kinder, aber auch die Kinderdorfmutter bzw. die Familienleiterin. Dazu gehören viel Freude und viele glückliche Momente im Alltag, aber nicht nur die, denn manchmal ist das nicht ganz so einfach, wie man denkt.

Herausforderung Kinderdorffamilie

Viele unserer Kinder kommen mit Erfahrungen und Erlebnissen aus ihrem früheren Leben, die sie geprägt haben, und aus denen sie Verhaltensweisen gelernt haben, die früher hilfreich, ja vielleicht sogar Überlebensstrategien waren. Einige dieser Gewohnheiten führen aber heute zu heftigen Konflikten oder auch Verletzungen bei denen, die mit ihnen zusammenleben.
Susanne Lange erzählt dazu: „Einer unserer Jungen ist gerade nicht ohne, insgesamt, aber gerade auch in der Beziehung zu mir. Aber als die Kinder vorgestern vom Kido-Cup nach Hause kamen (Sie haben gewonnen!), da habe ich zu ihm gesagt: ‚Ich bin so stolz auf dich!’ Da hat er mich umarmt und bestimmt fünf Minuten festgehalten. Ich sage immer zu ihm: ‚Wenn ich mich über dich ärgere, dann nur, weil mir etwas an dir liegt. Wenn ich mich mal nicht mehr ärgere, dann haben wir ein Problem.’


Wo Vertrauen wächst: Kinderdorfmütter mit Professionalität und Gefühlen

Wenn es manchmal schwer wird, ist neben allen echten Gefühlen auch Professionalität gefragt. Das Wissen darum und der Glaube daran, dass alles, was unsere Kinder tun, einen guten Grund hat. Auch wenn dieser vielleicht in der Vergangenheit liegt und wir ihn nicht unbedingt kennen.
Wenn das gelingt, kann diese Annahme helfen, nicht in erster Linie persönlich gekränkt zu reagieren, sondern ruhig zu bleiben und zu versuchen, dem Kind das zu geben, was es braucht, um wieder zu sich zu kommen und ganz langsam für die Zukunft andere Möglichkeiten zu finden, sich richtig zu verhalten.

In der Kinderdorffamilie wirst du geliebt, egal was kommt

Vor allem weil es jetzt die Erfahrung machen kann, dass es trotz allem geliebt und (aus)gehalten wird. „Diese Auseinandersetzungen sind anstrengend, aber letztlich bringt jede Auseinandersetzung uns ein kleines Stück weiter. Es geht vorwärts. Hinfallen, Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“, erzählt die Kinderdorfmutter Susanne Lange. „Ein schönes Beispiel, an dem man sehen kann, wie nachhaltig es wirkt, wenn wir uns für die Auseinandersetzung anbieten, sind die vielen Gespräche am Tisch, beim Abendessen. Da bleiben die Kinder dann oft sitzen. Sie sind nicht auf dem Sprung wie sonst und können in der letzten Zeit immer mehr über alles reden, was sie bewegt. Daran sieht man, dass ganz viel gewachsen ist, dass doch etwas aufbricht, wie in dem Bild, in dem die Blume den Asphalt aufbricht.“

Sr. Martha führte das Interview mit Susanne Lange, Kinderdorfmutter in Haus 3, Eltville

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