Kinder und der Tod

Tod als Thema im Kinderdorf

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Tod als Thema in den Kinderdorffamilien und Wohngruppen

„So stell ich mir den Himmel vor…“

 

Zu den wohl individuellsten Bereichen eines jeden Menschen gehört die eigene Vorstellung vom Sterben und dem, was danach kommt. Von Hoffnungen und Ängsten. Jeder wird sich anders äußern und jeder hat ein Recht darauf, seine Gedanken und Visionen zu empfinden und darzustellen – oder aber auch nicht darüber zu sprechen.

Auch im Kinderdorf kommen wir immer wieder mit dem Tod in Kontakt: Ob durch das Versterben einer Kinderdorfmutter, durch den plötzlichen Tod von leiblichen Eltern, ob durch das Alterssterben einer Dominikanerin oder auch durch den überraschenden Abschied von einem Ehemaligen: Kinderdorffamilie und Kinderdorf-Wohngruppe bedeutet immer auch Berührung mit dem Tod. An dieser Stelle kommen Menschen verschiedener Altersstufen zu Wort, die mit dem Kinderdorf verbunden sind. Unzensiert und unkommentiert beschreiben sie ihre Vorstellungen und Empfindungen. Wie ist das eigentlich mit dem Tod?

Marlene Altevers, Heilpädagogin im Kinderdorf Schwalmtal

Tod im Kinderdorf

„Wenn einer tot ist, dann ist er einfach weg. Das ist blöd für die anderen Leute, die noch da sind. Die sind dann ganz traurig und weinen. Aber dann können die auch wieder lachen. Und wenn ich den, der Tod ist, besuchen will, dann gehe ich zum Friedhof.“
(Mädchen, 5 Jahre)

„Der Tod, ob mein eigener oder der eines anderen Menschen, der mir nahe steht, ist etwas, an das ich nicht gerne denke. Ich möchte daran glauben, dass nach dem Tod nicht alles zu Ende ist, doch es fällt mir schwer. Und deshalb tue ich so, als ob es den Tod überhaupt nicht gibt.“
(Mann, 23 Jahre)

„Ich weiß ja nicht, wie das für den Menschen ist, der gerade stirbt. Bestenfalls ist es wie so ein Rübergehen in eine andere Welt. Ich denke schon, dass es diese andere Welt gibt, die wir Menschen das Paradies oder „Bei-Gott-Sein“ nennen. Ganz schlimm finde ich es, wenn ein Kind stirbt. Da stimmt dann etwas mit der Reihenfolge nicht. Und wenn jemand vorher ganz schrecklich leiden musste, weil er zum Beispiel Krebs hatte. Manche Menschen sagen dann, dass sie sich auf dessen Tod doch wenigstens vorbereiten konnten und dass es deswegen leichter gewesen sei; so was wie eine Erlösung. Also mir wäre trotzdem lieber, wenn es bei mir schnell geht. Wer mich wirklich mag, der ist traurig, egal, wie ich sterbe.“
(Frau, 22 Jahre)

„Manchmal ist einer einfach tot. Dann wird man morgens wach und da liegt einfach einer und ist tot. Das war bei meinem Papa so. Der ist jetzt im Himmel. Im Grab, da ist nur seine Haut. Aber das richtige von meinem Papa ist jetzt im Himmel. Ich glaube, dass es da schön ist und ich glaube auch, dass mein Papa da besonders gut auf mich aufpasst.“
(Junge, 9 Jahre)

„Welche Vorstellungen habe ich vom Tod und dem Leben danach? Zuerst einmal: Ich habe keine Angst davor. Leben und Tod gehören für mich zusammen. Ich bin davon überzeugt, dass es so etwas wie „ein Leben nach dem Tod“ gibt, das also mit unserem Ende hier auf der Erde nicht alles vorbei ist. Da noch niemand und von dieser Zeit danach erzählen konnte, bleibt mir nur meine Phantasie.“
(Mann, 52 Jahre)

Kinderdorffamilie in Bethanien

„Für mich ist die schlimmste Vorstellung die, dass ich vor meinem Tod noch lange leiden muss. Den Tod selber sehe ich als Übergang in eine neue Welt. Und da ich Christin bin, ist für mich diese neue Welt bei Gott. Mit der Hölle und dem Fegefeuer tue ich mich schwer. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott diese „Nebenschauplätze“ nicht nötig hat und er meine Seele durch seine Liebe und seine Vergebung reinigt, sodass mein Platz dann auch im Himmel sein kann.“
(Frau 63 Jahre)

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