Im Bethanien Kinderdorf Schwalmtal gibt es zurzeit zwei junge Frauen, die sich wünschen, Kinderdorfmutter zu werden. Doch wie trifft man diese Entscheidung? Wir haben nachgefragt:

KiDo: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Kinderdorfmutter werden zu wollen?

Britta Lange: Es ist einfach eine dank bare Aufgabe, der verlässliche Partner für diese Kinder zu sein. Die Kinder, die hierherkommen, haben oft schlechte Erfahrungen mit Erwachsenen gemacht. Was eine Kinderdorfmutter ausmacht, ist, dass sie sich das Vertrauen erst erarbeiten muss. Den Kindern dann wieder zu Leichtigkeit und Lebensfreude zu verhelfen, das ist es, was ich will. Denn wenn Kinder lachen, ist es das Schönste für mich.

Natascha Schmeißer: Es ist für mich eine Herzenssache. Ich habe erst in der Kita gearbeitet, dann in der stationären Jugendhilfe. Ich habe immer gedacht, dass mir noch etwas fehlt. Ich möchte rund um die Uhr für die Kinder da sein und nicht erst in der Übergabe nachlesen müssen, was gerade bei ihnen los ist. Ich möchte mit ihnen zusammenleben und immer wissen, was sie gerade beschäftigt.

KiDo: Wieso ist es das Bethanien Kinderdorf geworden?

Britta Lange: Das Bethanien Kinderdorf ist ein sehr wertschätzender Arbeitgeber. Außerdem haben die Kinder hier einen großen Stellenwert: Jede Stimme wird gehört. Es gibt hier viele Menschen, die auch mal querdenken und über den Tellerrand hinausdenken und nicht nur nach Schema F arbeiten.
Es liegt auch an den Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Die Ordensschwestern. Die Persönlichkeiten, die hier in den Alltag und das Geschehen hineinspielen. Diese Vielfältigkeit hier gefällt mir. Jeder kann so sein wie er ist und das ist auch gut so.

Natascha Schmeißer: Ich habe mich immer wieder mit dem Thema Kinderdorfmutter auseinandergesetzt. SOS war mir zu groß, zu kommerziell. Beim Googlen bin ich dann immer wieder auf das Bethanien Kinderdorf gestoßen. Dann gab es einen Beitrag über die Kinderdorfmutter Ida Dunkel. Ich habe einen Kommentar daruntergeschrieben und wurde direkt von einer Mitarbeiterin eingeladen. Als ich das erste Mal durch das Tor kam, fühlte es sich an, als würde ich nach Hause kommen. Es hat sich einfach direkt richtig angefühlt.

KiDo: Inwiefern hat das Corona-Virus euren Alltag im Kinderdorf verändert?

Britta Lange: Eigentlich ist es schön für uns. Die Kinder sind toll. Es gibt keinen Lagerkoller. Sie spielen den ganzen Tag miteinander. Es wird ausgeschlafen, gefrühstückt, aufgeräumt und ein biss chen draußen gespielt. Nach dem Mit tagessen gibt es dann ein paar Schulauf
gaben und dann wird weitergespielt. Für die Kinder fühlt es sich wie Ferien an. Auch unsere Mitarbeiter sind sehr entspannt. Eigentlich haben wir sogar mehr Zeit, weil wir unsere Kinder nirgendwo hinfahren müssen.

Natascha Schmeißer: Am stärksten hat sich eine Sache verändert: Die Schule ist jetzt im Kinderdorf. Doch das klappt erstaunlich gut, weil die Kinder gut mit machen. Nach dem Frühstück wird gelernt und danach gibt es viele Freizeiten. Deshalb bemühen sich die Kinder auch. Es gibt viel weniger Termine. Das ist total schön und entschleunigt. Wir sind nun mit der Gruppe zusammen und wir machen einfach das, worauf wir Lust haben.

Doch es gibt auch problematische Themen. Es gibt zurzeit keine Elternbesuche. Das fällt den Kindern sehr schwer, vor allem deshalb, weil sie nicht wissen, wie lange dieser Zustand noch anhält.


Anna Leister

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